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Zielpublikum

Von einem einzigen Zielpublikum zu sprechen wäre in unserem Falle nicht ganz richtig. Die Tatsache, dass wir Produktionen in Afrika und in Europa planen zwingt dazu, sich mit der Frage des Zielpublikums genauer auseinander zu setzen, denn niemand kann davon ausgehen, dass es sich auf beiden Seiten des Mittelmeers um die gleichen Menschen handelt, die auf die gleichen Probleme stoßen.

Westafrika – Burkina Faso

In Westafrika wendet sich unsere Produktion eher an junge Leute. Es sind vor allem junge Männer, die auf der Suche nach einem Familieneinkommen für die ganze Verwandtschaft, das ganze Geld zusammenkratzen, sich oft noch zusätzlich verschulden, um sich in ein Abenteuer mit unbestimmtem, oft tödlichen Ausgang zu stürzen. Sie möchten wir mit dem Stück und dem anschließenden Forum sensibilisieren, neue, andere Wege zu suchen, ihre Familien finanziell abzusichern.
Wir informieren, was sie auf dem Weg nach Europa erwartet und in welcher Situation sie sich zum Beispiel in Deutschland als Asylbewerber, ohne jegliche Aussicht auf ein geregeltes Einkommen oder Anerkennen ihrer Situation wiederfinden können. Die Schwierigkeiten, der Verlust an Würde und an Eigenständigkeit, sei es nun als Asylbewerber oder illegaler Einwanderer in den Händen von Geschäftemachern und Menschenschmugglern, werden aufgezeigt und dargestellt.
Unser Schauspieler Moussa Sourgou, einst Star des Aufklärungstheaters ATP aus Ouagadougou, bevor er sich aus wirtschaftlichen Gründen selbständig machen musste, wird das Forum anleiten und seine eigenen Erfahrungen als Emigrant ins Stück und ins Forum einbringen.
 

Europa

Mit der zweiten Produktion „Paradies Afrika“ möchten wir 2010 das europäische Publikum erreichen und die Neugierde wecken für die Schönheit des Zusammenlebens, die Lebendigkeit, die Klänge, Farben, Geräusche und Musik. Gleichzeitig werben wir um Verständnis für die Situation afrikanischer Mitbürger in Deutschland. Wir zeigen was sie sich erhofften, was ihnen fehlt, was sie sich wünschen und nicht zuletzt, wie es ihnen ergeht. Das tägliche Zusammenleben zwischen Europäern und Afrikanern wird sehr häufig von Missverständnissen und Vorurteilen überschattet, mal am Rande des Grotesken, das teilweise kafkaeske Ausmaße annehmen kann, mal von einer tragischen Qualität, die nur noch erschüttert. Hierzu an dieser Stelle nur eine kleine Anekdote aus einer Immigrationsberatungsstelle: Ein legal eingebürgerter Afrikaner kam vor einiger Zeit völlig verzweifelt zu einem Beratungsgespräch, er hatte eine Vorladung der Polizei bekommen wegen Verdachts auf Hausfriedensbruchs und Gewalttätigkeit. Der Berater wollte von ihm wissen, was er denn getan hätte. Und als Antwort bekam er: „Ich habe mit Afrika telefoniert. Ich musste sehr laut sprechen, da sie am feiern waren.“ — „Und wie spät war es?“ — „Ja so halb zwölf etwa.“
Schon eine Kleinigkeit wie die deutsche Sitte der „Nachtruhe“ kann also für einen Afrikaner zum Problem werden. Andererseits kann die Gewohnheit, sich ein wenig lauter zu unterhalten als es der mitteleuropäische Durchschnitt in nüchternem Zustand tut, schon dazu führen, dass wir uns auf den sprichwörtlichen Schlips getreten fühlen und hinter lauten - für uns unverständlichen -Worten Mord und Totschlag vermuten. Wie kompliziert wird es dann erst, wenn es sich um echte Probleme handelt?
All dies sind Fragen, die wir natürlich nicht zur Gänze lösen und beantworten können, aber ein wenig Verständnis, ein wenig Interesse und Neugier zu wecken, und das bei einer möglichst breiten Schicht an Zuschauern, das ist unser Ziel in Europa.

 

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