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Die Idee

Die Initiative Faire Kultur ist ursprünglich eine Idee von Kunstschaffenden und im Kulturbereich arbeitenden Menschen. Gegründet wurde sie aufgrund der positiven und negativen Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren bei unserer Arbeit machten. Zwar ist die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Kulturkreisen als den unseren immer schwierig, aber sie gibt gerade dem Kusntschaffenden, der mit offenen Augen durch die Welt geht, mehr Impulse und Ideen, als jede Form theoretischen Studiums.
Ein solches Podium für diesen Kunst- und Künstleraustausch zu schaffen, ist allein aus diesem Grund schon eine Notwendigkeit, um in Deutschland und Europa eine lebendige Kunstszene zu erhalten.
Aber es gibt noch weitere Gründe:
Das eigentliche Problem in dieser Zusammenarbeit liegt nicht in der Unterschiedlichkeit der Kulturen, dem Lebensverständnis oder der Ideologie. Es ist das Fehlen eines gemeinsamen Forums, das Schwierigkeiten zu lösen hilft, und die Möglichkeiten einer Kooperation fördert, das afrikanischen Künstlern den europäischen Markt öffnet, ihnen hilft, hier Fuss zu fassen, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen.

Der zweite Faktor, der zu dieser Initiative führte, ist ein wirtschaftlicher: Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Veranstaltern, die sehr gerne Kunst und Kultur aus anderen Ländern ihrem Publikum darbieten möchten. Da es aber immer noch an der nötigen Infrastruktur fehlt, um diese Künstler auch für weniger finanzstarke Veranstalter verfügbar zu machen, sind solche Auftritte und Präsentationen oft nur dank glücklicher Zufälle zu verwirklichen. Es ist finanziell nicht möglich, etwa eine fünfköpfige Theatertruppe für ein paar Auftritte nach Europa zu holen. Selbst gutgeführte Künstleragenturen schrecken vor den unabwägbaren Risiken, der problematischen und langwierigen Vorarbeit oft genug zurück.

Der dritte Faktor für diese Initiative ist, das Gebot der Fairness. Zu oft gibt es heute in Europa eine Form von moderner Sklaverei im Kulturbetrieb. Meist nicht gewollt, ist es doch eine Tatsache, dass afrikanische Künstler noch schlechter bezahlt werden, als dies leider schon bei europäischen Künstlern der Fall ist. Gerne betrachten wir die Superstars der Kunst- und Kulturszene, beklagen ihre hohen Gagen, aber vergessen dabei, dass viele Künstler, auf deren Arbeit wir alle nicht verzichten möchten, am Existenzminimum leben müssen. Afrikanische Künstler werden in ihrer Heimat aber auch in Deutschland noch schlechter bezahlt. Man muß sich vor Augen halten: In afrikanischen Staaten gibt es in der Regel kein soziales Netz. Hartz 4 ist eine üble Sache, wird von vielen bei uns als menschenunwürdig bezeichnet. In Staaten wie etwa Burkina Faso gibt es nicht einmal das. Künstler sind gezwungen, ihre Produkte weit unter Preis zu verkaufen, nur um zu überleben. Für diese Menschen geht es nicht darum, eine Waschmaschine zu kaufen, es geht um die nackte Existenz.

Der vierte Faktor ist ein sozial-politischer. Die Bürger vieler afrikanischer Staaten sehen ihre einzige Chance sich und ihrer Familie eine Zukunft zu sichern darin, ihre Heimat zu verlassen, um sich in Europa etwas aufzubauen. Das Problem hierbei ist, dass das dies meist nur auf illegalem Weg funktioniert. Verlockt von der bunten Werbewelt westlicher Staaten, halten sie Europa oder die USA für das gelobte Land. Ohne Informationen über Ausländerfeindlichkeit, Einwanderungsgesetze, Unterschiede in Mentalität und Kultur, riskieren sie ihr Leben, um nach Europa zu gelangen. Dass jeden Tag an Europas Mittelmeerküsten Leichen an Land geschwemmt werden, dass illegale Einwanderer in Europa wie Sklaven behandelt oder in die Kriminalität abgedrängt werden, ist diesen Menschen nicht klar. Dass ihre blosse Existenz sie auf die Abschussliste rechtsradikaler Propagandisten setzt, deren Handlanger auch vor Mord nicht zurückschrecken, ist für sie unvorstellbar. Und dass es in Europa und den USA grosse soziale Probleme gibt ... kaum noch nachvollziehbar, wenn man aus einem Land kommt, in dem man trotz harter Arbeit nicht einmal das nötigste hat, um zu überleben.
Unsere Initiative kann hierbei vielleicht nicht helfen, aber indem unsere Produktionen in Afrika mit ihren Themen und den sie begleitenden Massnahmen (z.B. Workshops und Diskussionsrunden) über diese Probleme informieren, gelingt es uns vielleicht ein Bewusstsein hierfür zu schaffen. Unter diesen “Paradies-Suchern” finden sich aber auch viele Künstler. Und genau diesen können wir helfen. Durch die Vermittlung von Wissen über den europäischen Kulturbetrieb, durch die Schaffung eines Podiums für einen interkulturellen Austausch bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe, bieten wir afrikanischen Künstlern die Chance, in ihrer Heimat von ihrer Kunst ein menschenwürdiges Leben zu führen.

 

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